Was ist Kreislaufwirtschaft?

In natürlichen Systemen werden Nährstoffe zyklisch geführt, das heißt im Kreis. Für viele Stoffe (Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel, Wasser) sind Kreisläufe mehr oder weniger erforscht.

Beispiel: Kohlenstoff-Kreislauf

Pflanzen nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf und speichern den Kohlenstoff in Form von Kohlehydraten in ihren Blättern, in den Stämmen und Wurzeln. Im Herbst werfen viele Pflanzen die Blätter ab, die von Bodentieren, Mikroorganismen und Pilzen zu fruchtbarer Erde verarbeitet werden. Aus dieser Erde nehmen die Pflanzen im Frühling über die Wurzeln weitere Nährstoffe (Stickstoff, Schwefel, Phosphor, u.a.) auf. Auch wenn Pflanzen absterben, werden die in ihnen gespeicherten Nährstoffe über die Bodenlebewesen verarbeitet und anderen Pflanzen zur Verfügung gestellt.

Tiere, Pilze und Menschen können Kohlenstoff nicht aus der Luft aufnehmen – sie müssen ihren Nährstoffbedarf über die Aufnahme von organischen Nahrungsmitteln decken. In den Ausscheidungen der Tiere finden sich die nicht verbrauchten Nährstoffe und können nach Kompostierungsprozessen wieder Pflanzen zur Verfügung stehen. Tiere, Pilze und Pflanzen atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus – was wiederum für Pflanzen ein Nährstoff ist. So schließt sich der Kreis.

Global betrachtet gibt es große Kohlenstoflager: die Luft (Atmosphäre), die Gewässer (Hydrosphäre), die Gesteine (Lithosphäre), die Lebewesen (Biosphäre) und die Böden (Pedosphäre). Zwischen diesen Lagern wandern Kohlenstoffmoleküle (Kohlenstoffluss). Wichtige Kenngrößen, um die Lager zu beschreiben, sind die Verweildauer im Lager, sowie die Zufluss- und Abflussraten.

Menschen lebten über Jahrmillionen in Einklang mit natürlichen Kreisläufen. Anfangs als Jäger und Sammlerinnen, und seit etwa 10.000 Jahren als Bauern und Bäuerinnen in der Landwirtschaft. Beide Gesellschaftsformen lebten und leben von Sonnenenergie. Als vor etwa 250 Jahren mit Kohle und vor etwa 150 Jahren mit Erdöl zusätzliche, neue Energieträger entdeckt wurden, veränderte sich die Situation dramatisch. Mit diesen neuen Energieträgern konnten Menschen unabhängig von den Jahreszeiten Lebensmittel produzieren. Dies führte zu einem starken Anstieg der Bevölkerung, der bis heute anhält.

Erdöl, Kohle und Erdgas werden als „fossile Energieträger“ bezeichnet, weil sie vor Jahrmillionen auf der Erde entstanden und in Lagerstätten gespeichert sind. Allerdings erneuern sie sich nicht gleich schnell, wie sie verbraucht werden. Deshalb werden die großen Lagerstätten in relativ baldiger Zukunft erschöpft sein.

Mit diesem Wissen stellen sich die Menschen darauf ein, in Zukunft wieder nur von erneuerbaren Energieträgern zu leben und Nährstoffe im Kreis zu führen. Mittlerweile leben aber viel mehr Menschen auf der Welt, als damals, als es nur Jäger und Sammlerinnen und Bäuerinnen und Bauern gab. Die Herausforderung für heutige und zukünftige Generationen ist, eine Lebensform zu finden, die für alle jetzt lebenden und alle noch ungeborenen Menschen und andere Lebewesen verträglich und würdevoll ist. Diese Lebensformen werden als „nachhaltig“ bezeichnet. Kreislaufwirtschaft ist ein Teil von nachhaltigen Formen des Zusammenlebens.

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